Fläumchens Geschichte

15.07.2012

Fläumchen ist sehr krank geworden und kam in die Tierklinik. Leider ging es ihm sehr schlecht und Alice musste die Entscheidung treffen die wir alle nicht treffen möchten. Sie hat es schwerzen Herzen für Fläumchen getan, der nun ein Engel ist.

Machs gut hinter dem Regenbogen du kleiner tapferer Mann.

Fläumchen

Fläumchen kenne ich nicht persönlich. Fläumchen ist der Kater von Alice G. und ich habe beide durch die HP Petsite und Dshini kennen gelernt. Sein Schicksal hat mich berührt und so habe ich Alice gebeten mir von ihm zu erzählen.

Und dies ist Fläumchens Geschichte, erzählt von Alice:

Wir wohnen in einem kleinen Ort in der Nähe von Augsburg in einem renovierten ehemaligen Bauernhaus, Baujahr 1875, mit einem riesigen Grundstück außenrum, Obstbäumen und einem durchfließenden, idyllischen Bächlein. Unsere lieben Vermieter, ein älteres Ehepaar, wohnen im EG, wir und eine weitere Mietpartei im 1. OG.

Wir hatten bereits zwei Wohnungskatzen, beides gerettete Katzenseelen, als uns im Sommer 2009 eine fremde Katze bei uns zuhause aufs Grundstück lief.  Ein sehr menschenscheues, dünnes Katerchen, dem die Härchen wie Flaum abstanden und das Zünglein aus dem Mund hing. Ich stellte ihm Essen hin (Katzenfutter haben wir immer reichlich zuhause), entfernte mich ganz langsam und sprach immer ganz leise und ruhig, damit er sich an meine Stimme gewöhnen konnte und lernen sollte, daß von mir nur Gutes - in dem Fall das Essen - kam.

Mir gelang es, im Laufe der Monate mit endloser Geduld und Liebe, Fläumchens Vertrauen zu gewinnen. Er kam dann immer öfter, ging aber nach dem Essen gleich wieder. Eines Tages sahen wir, daß er auf einem Polsterstuhl, der an einer überdachten Sitzgruppe vor dem Haus stand, übernachtet hatte. Ich legte ihm dann weiche Decken auf den Stuhl, und Fläumchen kam immer häufiger und blieb immer länger. Schließlich war regelmäßig bei uns und nach endlos langer Zeit durfte ich mich ihm immer weiter nähern und ihn schließlich sogar anfassen. Er hat mich nie gebissen oder gekratzt, anfangs zwar aus Angst mal gehauen, aber nicht schlimm.
Es ging dann allmählich auf den Herbst zu, und die Nächte wurden kälter. Fläumchen kam immer abends, und ich hatte ihm auf einer Bank vor dem Haus dicke, weiche Microfaserflauschdecken in Form eines Nestchen drapiert, in die er sich hineinkuscheln konnte.

Schließlich ging das nicht mehr mit draußen übernachten, es war nachts einfach zu kalt. Im Haus unserer Vermieter machten diese im EG neben dem Heizungsraum ein kleines, helles Räumchen frei, in dem ich dem Fläumchen viele weiche Bettchen und Deckchen bereitete. Das Räumchen hat sogar einen separaten Ausgang. Dort wohnt Fläumchen seit dieser Zeit, kommt abends immer pünktlich nach Hause und bleibt über Nacht drin. Ich habe dort einen Relaxsessel stehen, in dem ich mit dem Fläumchen abends immer schmuse. Jetzt fragen sich natürlich die Leser, warum wir das Fläumchen nicht mit in unsere Wohnung zu den anderen Miezen genommen haben. Der Grund ist ein ziemlich trauriger:

Als Fläumchen so zutraulich war, daß ich mit ihm zum Tierarzt zum Generalcheck fahren konnte, gab es eine schlimme Diagnose: FeLV (felines Leukämie Virus = Leukose).

Das war für mich wie der Super-GAU. Ich hatte mich schon vorher mit Katzenkrankheiten und ~ernährung beschäftigt und wußte, daß diese Krankheit unheilbar ist. Zum Glück ist sie nicht auf Menschen übertragbar. Nur von Katze zu Katze durch Tröpfchenübertragung. Allerdings ist das FeLV-Virus außerhalb der Katze nur kurz lebensfährig, stirbt also innerhalb weniger Minuten ab (ich muß ja wegen unserer Wohnungskatzen aufpassen. Deshalb werden immer gleich Gesicht und Hände gut gewaschen, nachdem ich beim Fläumchen war).

Als ich mich nach vielen, vielen Tränen wieder gefasst hatte, beschloß ich, dieser üblen Krankheit den Kampf anzusagen. Fläumchen sollte jeden Tag ein schönes Leben haben.

Das Katerchen hatte, als er zum ersten Mal bei uns auftauchte, halbrechts am Hals eine ca. handtellergroße Umfangsvermehrung. Kein Mensch wusste, was das war. Sie behinderte ihn wohl nicht am Essen und Atmen, aber normal war das nicht. Es stellte sich dann heraus, daß das mit seiner Krankheit zusammenhängt.

Es spielt sich abends immer ein bestimmtes "Ritual" ab. Ich bringe Fläumchen abends sein Essen in sein "Wohnzimmer", wie ich es nenne. Dabei sitzt er auf meinem Schoß, und ich helfe ihm beim Essen. weil er oben und unten keine Zähnchen hat, die Fang- und Backenzähne sind in Ordnung, aber vermutlich hat er nie diese kleinen Zähnchen oben und unten gehabt (deshalb hängt sein Zünglein auch immer aus dem Mund). Er kann deshalb das Essen nicht so gut aufnehmen. Ich schiebe es dann immer mit einem Löffelchen zu einem Häufchen zusammen, so daß er es besser aufnehmen kann.
Nach dem Essen wische ich ihm seinen Mund sauber, wasch ihn alle paar Tage mit Sensitiv-Tüchern für Tiere ab, mache die Pfötchen - auch zwischen den Zehen - sauber, bürste ihn von Zeit zu Zeit (außer im Winter, da er dann seine schützende Unterwolle für draußen braucht), und dann wird geschmuuuuust. Fläumchen liegt dann an mich gekuschelt bei mir, sein Köpfchen an meinen Hals gedrückt und ist im 7. Himmel. Ich habe mal damit begonnen, während dieser totalen Entspannungsphase, in der ich das Fläumchen im Arm habe, meine Finger auf diese große Umfangsvermehrung zu legen, mich intensiv darauf zu konzentrieren und der Geschwulst immer wieder zu sagen, daß sie gehen soll, weil wir sie nicht haben wollen und, daß das Fläumchen wieder gesund wird. Im Laufe vieler Wochen wurde die Umfangsvermehrung immer kleiner. Heute ist sie nur noch ca. so groß wie eine kleine Cherrytomate.

Es gab vor etwas über 2 Jahren einen schlimmen Zwischenfall. Fläumchen blutete leicht aus dem Mund und wollte nicht mehr essen. Ich sah, daß da eine ganz rote, entzündete Wunde in seinem Mund am Zahnfleisch war, weshalb ich mich sofort an den Computer setzte und suchte, was das evtl. sein könnte.
Ich fand dann heraus, daß es durch das FeLV zu tumorösen Veränderungen - auch im Mund - kommen kann, und daß Interferon-Spritzen helfen können.

Ich also mit Fläumchen gleich zum TA, der sich das anschaute, aber nichts von Interferon sagte, er machte eher einen etwas hilflosen Eindruck. Ich bestand dann auf eine Interferon-Therapie. Diese bestand aus 5 Sitzungen im Abstand weniger Tage in Verbindung mit Antibiotika- und Aufbauspritzen. Schon nach der ersten Spritze trat eine leichte Besserung ein, und Fläumchen aß abends wieder ein wenig. Der TA gab Fläumchen noch eine maximale Lebenserwartung von ca. 1 1/2 Jahren.....und er lebt heute noch, ist mittlerweile ca. 7-8 Jahre alt und keine Spur mehr von Tumoren im Mund.

Fläumchen ist der anhänglichste Kater der Welt geworden. Am liebsten lässt er sich stundenlang von mir auf dem Arm spazierentragen. Kratzen und Beißen ist ihm absolut fremd. Er schaut mich immer lang an, reibt sein Köpfchen wie verrückt in meinem Gesicht herum, wäscht mich sogar ab zu mit seiner rauhen Zunge, so daß ich danach aussehe, als hätte ich Sonnenbrand, aber das macht mir alles nichts aus.
Fläumchen ist ein unglaublicher Kater, mein Herzblutkater, sowas von lieb und brav und das er sooooo viel Vertrauen hat, das ich niemals enttäuschen werde.


 

Ich genieße jeden einzelnen Tag, an dem er bei mir sein kann - denn jeder Tag könnte der letzte sein. Erschwerend kommt hinzu, daß die Hauptverkehrsstraße, die Ortsdurchfahrt, direkt am Haus vorbeiführt, und ich bin jeden Abend so froh, wenn Fläumchen wieder gesund nach Hause kommt.

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Ich wünsche Fläumchen und Alice von ganzem Herzen dass sie noch lange Zeit gemeinsam verbringen dürfen.